Seleçao in Weggis

A seleçao brasileira em Weggis na Suiça

Dienstag, Juni 06, 2006

WM-Fieber in Rio





Für Brasilianer ist die Sache klar: Ihre Nationalelf muss bei der WM in Deutschland den sechsten Titel holen. Und nebenbei auf dem Rasen zaubern. In Rio herrscht bereits Partystimmung als ob Brasilien selbst Gastgeber der WM 2006 wäre.

Rio de Janeiro - Sie bemalen stundenlang den Asphalt. Sie erklimmen klapprige Leitern, um ungezählte Wimpel mit der Landesfahne in den Straßenzügen aufzuhängen. Sie tun alles, um ihre Mannschaft zu unterstützen. Vier Tage vor Turnierbeginn sind die Bewohner Rio de Janeiros mitten im WM-Fieber. Noch bevor der erste Ball gespielt ist, feiern die Fans des Rekordweltmeisters sich selbst.

Spätestens wenn am 13. Juni die Seleção zum ersten Spiel der Gruppe F im Berliner Olympiastadion gegen Kroatien antritt, wird der Wahlspruch der Föderativen Republik Brasilien "Ordem e Progresso" - "Ordnung und Fortschritt" - vorübergehend ausgesetzt. Alles andere als eine Titelverteidigung und der damit sechste WM-Erfolg des brasilianischen Verbandes ist für die knapp 200 Millionen Einwohner des Landes nicht auszudenken.

Die brasilianische Nationalmannschaft landete gestern Nacht auf dem Frankfurter Flughafen und fuhr von dort in ihr WM-Quartier nach Königstein im Taunus. In der Region werden ab heute täglich bis zu 10.000 Fans des Teams erwartet. Der Zuschauer-Ansturm dürfte am Donnerstag bei 25.000 liegen. Dann präsentieren sich die Stars zum einzigen öffentlichen Training.

Schon beim Trainingslager der Brasilianer in der Schweiz mussten die Sicherheitsvorkehrungen verschärft werden. Während einer Traingssession rannte eine besonders heißblütige Anhängerin auf den Platz, schnappte sich Star-Kicker Ronaldinho und begrub ihn wild küssend unter sich.

Der weitaus überwiegende Teil der Fans wird die WM-Auftritte der "Os Canarinhos" ("die Kanarienvögel"), wie die Mannschaft aufgrund ihrer knallgelben Trikots in der Heimat genannt wird, mit mindestens fünfstündigem Zeitunterschied in Brasilien verfolgen. Die räumliche Distanz ist allerdings kein Hindernis für eine farbenfrohe Unterstützung der Mannschaft. So haben viele Bewohner Rio de Janeiros die Straßen mit den Landesfarben und aufmunternden Botschaften für ihre Fußball-Idole bemalt. Außerdem schmücken tausende kleine Nationalflaggen die Stadt.

Zur "Mission Titelverteidigung" steuert auch die Finanzwelt ihren Teil bei. An Spieltagen der Nationalmannschaft werden die Banken sowie die Börse von Sao Paulo ihre Geschäfte um zwei Stunden früher schließen, "um Mitarbeitern und Kunden die Möglichkeit zu geben, die Spiele der brasilianischen Mannschaft im TV zu verfolgen", wie es hieß. Neben dem ersten Vorrundenspiel gegen Kroatien gilt die Regelung auch für das Duell mit Japan am 22. Juni.